Bewerbungen

Der perfekte Mord

Durch die Literaturgeschichte geistert der „perfekte Mord“ – den es angeblich praktisch nicht gibt. Tatsächlich? Ein Mord ist perfekt, wenn es ein Opfer, einen Täter und eine Defintion von Mord gibt – so einfach ist das.

Und die „perfekte Bewerbung“?

Ein Marketing-Gespenst, das dem Bewerber zum Durchmarsch vom heimischen Schreibtisch zum gewünschten Job verhelfen soll, mit kurzem Zwischenstopp im Personalbüro oder beim Chef selber. Ja, es gibt diese Fälle, wo die allererste Bewerbung gleich den ersehnten Job gebracht hat – aber die sind sehr selten, und welchen Anteil die Bewerbung als solche dann am Erfolg hatte, ist fraglich. Unterschied zum perfekten Mord: So einfach ist das eben nicht.

Bewerbungen zählen zweifellos zu den größten schriftlichen Alltags-Herausforderungen. Die schiere Menge der Bewerbungstrainer, -profis und -experten und schriftlichen Ratgeber ist der beste Beweis dafür – „wo viele Kirchen stehen, gibt´s viel zu beichten“. Und jeder von ihnen liefert Tipps für die jetzt-aber-garantiert-perfekte Bewerbung, weiß, wie es geht oder weiß sogar besser, wie es geht… und lässt Bewerberin und Bewerber dann weiter alleine im Regen stehen, weil Schreiben einfach nicht jedermanns Sache ist.

95 von 100 Bewerbungs“ratgebern“ schreiben fröhlich voneinander ab.

Die Unterschiede bei den Autoren sind oft marginal. Und der Platzhirsch auf dem Markt kocht seit vielen Jahren dasselbe Menü nach demselben Rezept. Echte Hilfe für die einzelnen Bewerber? Nein. Dafür aber ein Top-Marketing. Das ist der Grund, warum es so ein einheitliches Bild darüber gibt, wie eine Bewerbung angeblich sein muss. Aber nur weil sie vom Marktführer kommt, würde doch niemand behaupten, dass Coca-Cola gesund ist, oder?

Theoretiker und Praktiker

Wer versucht, ein Feuer nach Neandertaler-Art mit Flint oder nur zwei Hölzern zu machen, der wird schnell feststellen, wie knifflig das ist – obwohl unsere Vorfahren damit recht gut zurecht kamen und das bei diesen Survival-Burschen auf Youtube doch auch ziemlich einfach aussieht.

Was ist der Trick? Erfahrung. Sehr viel. Je mehr, desto besser. Wie sammelt man Erfahrungen im Bewerben? Man tut es möglichst oft, wieder und wieder. Will das irgendjemand – vor allem, wenn es um einen selbst geht?

Ich erzähle Ihnen mal etwas vom Anschreiben. Hier entlang, bitte.