Das Anschreiben

Das Schöne beim Anschreiben ist, dass es zum einen Teil natürlich ein sehr persönlicher Brief ist, zum anderen aber auch sachlich informieren soll (zugegeben: Genau das kann gerade das Problem sein). Es gibt nur wenige, dafür aber offensichtliche Regeln, sagen wir: Anstandsregeln, die nicht verletzt werden dürfen. Es gibt die DIN 5008, durch die der Aufbau des Schreibens gut vorgegeben ist, und die man ruhig berücksichtigen sollte. Es gibt nur sehr wenig, das in das Anschreiben hinein MUSS, ein bisschen etwas, das hinein SOLL… und so einiges, das man sich und anderen sparen kann.

Vor allem aber gibt es sehr vieles, das hinein darf: Wer Ihre Bewerbung liest, ist ein Mensch wie Sie, und wir Menschen haben ein dringendes Bedürfnis nach zwei Dingen: Information und Unterhaltung. Das Bewerbungsschreiben ist perfekt für diese Mischung, wenn man weiß, wie´s geht.

Es muss an dieser Stelle gesagt werden: Als Personalchef über 500 Bewerbungen gelesen zu haben, ist wirklich etwas anderes, als über 500 Bewerbungen selber geschrieben zu haben. Jeder Personaler kann Ihnen zweifellos sehr wertvolle Ratschläge geben, wie aus seiner Sicht eine Bewerbung sein soll… aber kann er sie auch selber so schreiben?

Tipps

Hier kommen vier Hände voll Erfahrung aus über 500 Bewerbungen und vielen erfolgreichen Praxisjahren als Bewerbungstrainer und -schreiber.

Falls Sie fragen: „Das ist alles?“, lächle ich und sage: „Bei weitem nicht.“ Falls Sie denken: „Okay, damit komm‘ ich schon gut alleine zurecht“, dann drücke ich Ihnen aufrichtig die Daumen: Viel Erfolg und alles Gute!

Falls Sie feststellen, dass der Texter hinter diesen Tipps der richtige für Sie und Ihre Bewerbung ist, dann los: Ich mache Ihnen gerne ein Angebot!

  1. Wer Ihre Bewerbung liest, ist gerne schnell fertig damit. Fassen Sie sich kurz, aber…
  2. …fassen Sie sich nicht zu kurz.
  3. Stellen Sie sich vor, Sie müssten Ihre Bewerbung dem Empfänger vorlesen. An seinem Schreibtisch. Und er schaut Sie die ganze Zeit dabei an. Und draußen sitzen die nächsten Bewerber. Wie Sie jetzt wirken wollen, so soll Ihre Bewerbung wirken!
  4. Halten Sie sich so gut es geht an die DIN 5008. Das schafft Ordnung im Brief – und höchstwahrscheinlich wollen auch Sie lieber einen „ordentlichen“ Eindruck machen.
  5. Falls Sie sich für Designvorlagen entscheiden – achten Sie auf Angemessenheit. Diese Vorlagen sind leider oft alles andere als wirklich geeignet. Besonders hier gilt die Weisheit vom Wurm, der dem Fisch schmecken muss, nicht dem Angler.
  6. Originalität darf nicht auf Kosten von Seriosität gehen: Sie wollen auf jeden Fall ja ernst genommen werden!
  7. Sie können auf das Verb „bewerben“ im Text verzichten, wenn Sie umformulieren und versiert sind, denn dass Sie sich bewerben, steht auf Ihrem Deckblatt und geht aus Ihrem Schreiben hervor.
  8. Was wollen Sie eigentlich sagen – und wie können Sie das schreiben? Was wollen Sie schreiben – und wie würden Sie das sagen? Seien Sie sich bei jedem Satz über diese Aspekte im Klaren!
  9. Fragen Sie sich: „Was schreiben wohl alle anderen? Was schreibt „man“?“ Meist geht das auch anders – ohne Grenzen oder Regeln zu verletzen.
  10. Übertreiben Sie nicht. Niemand liest z.B. wirklich „mit großem Interesse“ eine Stellenanzeige, die ihn „sofort angesprochen“ hat. Das ist unglaubwürdig.
  11. Sie schicken einen Lebenslauf mit, also muss der nicht schon im Anschreiben erzählt werden. Liegt zudem eine „Dritte Seite“ oder ein „Motivationsschreiben“ bei, können Sie Ihr An- fast als Begleitschreiben verstehen – und auch z.B. textlich so verfassen, indem Sie auf beigefügte Unterlagen verweisen.
  12. Vermeiden Sie Floskeln, Standards und Durchgekautes. Selten gibt es Phrasen, die tatsächlich erwartet werden – viel seltener, als man glaubt. Schreiben Sie Neues; in aller Regel lohnt es sich, alte Lieder neu zu vertonen. „Smoke on the water“ als Jazz-Version – warum nicht?
  13. Schreiben Sie nichts, hinter dem Sie nicht einhundertprozentig stehen können! Beispiel: Wenn Sie alleinerziehend mit zwei kleinen Kindern und einem Hund sind und kein Auto haben, sind Sie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht „sehr flexibel“.
  14. Wenn Sie sich auf eine Stellenanzeige hin bewerben, müssen Sie deren Text nicht in Ihrer Bewerbung wiederholen. Gegenargument ist oft: „Aber dann wissen die, dass ich die Anzeige genau gelesen habe!“ Das stimmt, lässt sich aber auch anders vermitteln. Eleganter.
  15. Erklären Sie dem Stellenanbieter nicht sein Unternehmen. Beispiel: „[…] bei einem weltweit operierenden mittelständischem Familienunternehmen wie Ihrem, das sich innovativer Technologie verschrieben hat und mehrfach als bester Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet wurde […]“ Das ist redundant, langweilig und schlichtweg der „touch too much“, wird aber leider sehr oft so gemacht.
  16. Vermeiden Sie das Präteritum, wo es nur geht („Ich ging zur Schule“). Besser und vor allem meist richtiger sind Perfekt („Ich bin zur Schule gegangen.“) oder – seltener – Plusquamperfekt („Ich war zur Schule gegangen.“)
  17. Ihr Schlusssatz sollte nicht sein: „Über eine positive Antwort freue ich mich.“, denn den kann man an dieser Stelle problemlos austauschen mit „Ich mag Gummibärchen, aber nur die roten.“
  18. Wenn Sie Ihre Bewerbung fertig geschrieben haben, drucken Sie sie aus. Trinken Sie einen Kaffee, gehen Sie mit dem Hund – lenken Sie sich mindestens 20 Minuten ab. Und dann, ganz entspannt, lesen Sie sich Ihre Bewerbung laut vor. Oft findet man auf diese Weise Fehler, unstimmige oder halbfertige Sätze oder… einfach Sachen, die man so eigentlich gar nicht schreiben wollte.
  19. Wenn Sie die Zeit dafür haben, lassen Sie mehr als 20 Minuten vergehen – am besten eine ganze Nacht.
  20. Und bitte, bitte, bitte: Achten Sie auf Rechtschreibung und Kommasetzung.

Lassen Sie uns ein Auge werfen auf den Lebenslauf.